
Die Erbschaftsteuer wird in Europa sehr unterschiedlich gehandhabt – von vollständiger Abschaffung bis hin zu strengen Bewertungsregeln. Deutschland bewegt sich dabei im Mittelfeld, fällt aber durch hohe Freibeträge und gezielte Entlastungen eher familienfreundlich aus.
Deutschland: Hohe Sätze, aber große Freibeträge… Deutschland kombiniert nominal höhere Steuersätze (7–30 %) mit besonders großzügigen Freibeträgen für enge Angehörige: 500.000 € für Ehepartner, 400.000 € für Kinder, 200.000 € für Enkel.
Hinzu kommen begünstigte Regelungen für selbstgenutzte Immobilien und weitreichende Privilegien für Unternehmensvermögen. In der Praxis bedeutet das: Viele Erbfälle innerhalb der Kernfamilie bleiben steuerfrei oder werden nur gering belastet.
Wie andere EU-Länder besteuern: Staaten ohne Erbschaftsteuer
Mehrere EU-Länder haben die Erbschaftsteuer abgeschafft, darunter Schweden, Österreich, Estland, Lettland, Slowenien und Luxemburg.
Vermögen kann dort ohne steuerliche Belastung übergehen – eine Politik, die Vermögensübertragungen erleichtert, aber häufig zu stärkeren Konzentrationseffekten führt.
Länder mit moderater oder regional variabler Belastung
Frankreich: Niedrigere Freibeträge als Deutschland, aber strukturierte Steuersätze; bei großen Vermögen deutlich streng.
Spanien: Starke regionale Unterschiede – von fast steuerfrei bis spürbar belastend.
Belgien: Regionalisiert und teilweise hoch besteuert, jedoch mit geringeren Freibeträgen als in Deutschland.
Immobilien und Betriebsvermögen: Deutschlands Vorteile
Immobilien
Deutschland erlaubt die steuerfreie Weitergabe selbstgenutzten Wohnraums an Ehepartner oder Kinder, sofern dieser weiter bewohnt wird.
Andere Staaten – etwa Frankreich oder Belgien – kennen solche Privilegien nicht oder nur in geringem Umfang.
Unternehmensvermögen
Deutschland bietet europaweit eine der stärksten Entlastungen: Betriebsvermögen kann zu 85 % oder sogar 100 % steuerfrei übertragen werden, wenn Arbeitsplätze erhalten bleiben.
Viele EU-Staaten haben zwar ähnliche Mechanismen, aber selten in dieser Großzügigkeit.
Gesamtbewertung: Die Position Deutschlands im EU-Feld
Deutschland wirkt auf dem Papier strenger als viele Nachbarstaaten. In der Realität ergibt sich jedoch ein anderes Bild:
Die nominellen Steuersätze liegen im oberen Mittelfeld.
Die effektive Belastung fällt jedoch moderat aus, da hohe Freibeträge und Sonderregeln große Teile familiärer Vermögensübertragungen abfedern.
Im Vergleich zu Staaten ohne Erbschaftsteuer steht Deutschland natürlich höher belastend da.
Im Vergleich zu Ländern mit niedrigen Freibeträgen und strengen Bewertungen ist Deutschland dagegen eher großzügig.
Fazit
Deutschland verfolgt eine Erbschaftssteuerpolitik, die ausbalanciert wirkt: steuerlich anspruchsvoll bei großen Vermögen, aber familien- und mittelstandsfreundlich in der praktischen Anwendung. Im europäischen Vergleich liegt die Bundesrepublik damit weder besonders streng noch besonders liberal, sondern behauptet eine stabile, moderat belastende Position – deutlich geprägt von dem politischen Ziel, Familienvermögen und Unternehmen nicht unnötig zu gefährden.
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